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Die Technik von Techno   

Saturday, 12 August 2006

Der Begriff Techno steht als Abkürzung für Technologie und damit zugleich für eine zwischen 1985 und 1990 in Detroit, Manchester und Berlin entstandene Musikrichtung, deren Elemente komplett aus dem Computer stammen. Es wird nicht mehr Wert auf den natürlichen Klang von Instrumenten gelegt, sondern auf die Art der Verfremdung von Geräuschen und Tönen durch die Sampling-Methode (sample = Klangprobe, Klangereignis).

Das Sampling
  Durch dieses Verfahren ist der Technomusiker in der Lage, jede analoge Klangquelle aufzunehmen, zu speichern und zu bearbeiten. Dabei kann es sich um natürliche Geräusche handeln, die vom Sampler über ein Mikrophon aufgenommen werden oder Klänge, die bereits auf Tonträgern gespeichert sind.
  Somit sind Sampler zunächst nichts weiter als Geräuschspeicher, mit denen etwas Analoges aufgenommen, digital bearbeitet und durch eine Keyboard- Tastatur per Tastendruck abgespielt werden kann.
  Das Gerät kann nicht nur Veränderungen von Klängen, sondern auch ganze Themen aus bereits existierenden Musikstücken zu einem neuen Stück weiterverarbeiten und diese in „Loops”, also Schleifen laufen lassen. Das mit der Sampling-Methode entstandene Stück wird meist in mehreren Versionen abgemixt. Es ist nicht mehr nötig, Noten lesen zu können oder ein Instrument zu beherrschen.
  Die vom Sampler entstehenden Klänge werden vornehmlich als Rhythmuselemente und spezielle Effekte (verstümmelte Sprachfetzen etc.) verwendet.
  Eines der Probleme des Samplings liegt in der Speicherkapazität, die sowohl begrenzt als auch kostspielig ist. Seit der Einführung der CD ist eine 16-Bit-Auflösung und eine Abtastfrequenz von 44100 Hertz (Schwingungen pro Sekunde) zum Standard im Digital-Audio-Bereich geworden.
  Wie lange dieser Standard erhalten bleibt, läßt sich kaum abschätzen. Im professionellen Digital-Audio-Bereich werden bereits 24-Bit-Produktionssysteme verwendet.
  Samples können nicht nur selbst hergestellt, sondern auch auf Sample-CDs oder ROM-Playern (Read Only Memory), d.h. bereits fertig erstellt, abgerufen werden. Dies erspart dem Nutzer den hohen Arbeitsaufwand und die mit der Erstellung eigener Samples verbundenen Kosten.

Der Synthesizer

  Neben dem Sampler wird für einen Techno-Track der flexiblere Synthesizer benutzt, der sich vom Sampler dadurch unterscheidet, dass seine Klänge rein synthetisch hergestellt werden, während der Sampler sich auch natürlicher Geräusche bedienen kann.
  Vorläufer des Synthesizers waren um 1920 das russische Theremin und das Trautonium, eine deutsche Produktion, mit der unter anderem die Filmmusik zu Alfred Hitchcocks „Die Vögel” angefertigt wurde. Diese beiden Geräte unterschieden sich von anderen Geräten dadurch, dass nicht mechanische Schwingungen aufgenommen und verstärkt wurden (wie bei der etwa gleichzeitig entwickelten Hammond-Orgel), sondern dass die Schwingungen rein elektronisch erzeugt wurden. Zu den stark nachgefragten, jedoch nicht mehr produzierten FM-Synthesizern der Firma YAMAHA gehören DX7, TX816 und TX802, die vielfältige Möglichkeiten der Klangstrukturen bieten. Die verbesserte AFM-Synthese (Advanced Frequency Modulation Synthesis) hat sich nicht so stark durchsetzen können. Noch höher im Kurs stand der einstimmige Analogsynthi TB303 der Firma ROLAND, welcher viele verfremdete Klänge erstmalig ermöglichte.
  Eine Kommunikation zwischen den verschiedenen Geräten, ob nun Sampler oder Synthesizer wurde aber erst durch die Einführung des Midi-Standards möglich.

MIDI


  MIDI ist eine Abkürzung für „Musical Instrument Digital Interface“, durch das weltweit alle Geräte zur Produktion von Techno-Tracks eine einheitliche Sprache sprechen.
  Der Midi-Standard von 1982 umfaßt sowohl Hardware- als auch Software-Komponenten:
Zum einen ist durch Midi die Hardware-Standardschnittstelle festgelegt, mit der sich mehrere MIDI-fähige Geräte verbinden lassen, auch wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen. Midi-Schnittstellen unterstützen damit auch den Datenaustausch digitalisierter Musik zwischen Computern und elektronischen Musikinstrumenten.
Zum anderen ist unter MIDI das standardisierte Dateiformat zu verstehen, mit dem die einzelnen Geräte kommunizieren.
  Festgelegt ist auch die Übertragungsstruktur der Daten.
Die MIDI-Dateien enthalten keine Töne, sondern nur die Informationen, die ein Instrument benötigt, um den gewünschten Ton abzuspielen. Weiterhin lassen sich über MIDI noch viele verschiedene Kontrollparameter, sowie ganze Klangeinstellungen verändern und abspeichern.

Das Rhythmusgerät

  Rhythmusgeräte, wie beispielsweise TR808, TR909, TR606 oder CR78 von ROLAND wurden bis ca. 1983 produziert. Diese Geräte sind nur noch auf dem Gebrauchtwarenmarkt zu haben.
Neuerdings sind sogenannte Rhythmus-„Kits” in den meisten Synthesizern integriert, so dass man die Rhythmussounds gleich vom Sequenzer aus anspielen und zu fertigen Mustern erstellen kann. Rhythmusgeräte als solche gibt es zwar noch, sie sind jedoch ziemlich selten geworden.

Sequenzer

  Ein Sequenzer übernimmt sozusagen die Funktion des Komponisten und Arrangeurs, da man mit ihm verschiedene Instrumente als Spuren aufnehmen, zurechtschneiden und abmischen kann. Der Sequenzer steuert außerdem die Vorgänge des Abrufens von Klängen der Synthesizer, bzw. Sampler und sorgt dafür, dass die Rhythmusmaschine im Takt läuft. Mithilfe eines Sequenzers kann man also einen kompletten Techno-Track erstellen und abspielen. Allerdings erzeugt der Sequenzer keine Töne; er verwaltet lediglich die Daten der obigen Geräte, welche er dann über MIDI ausgibt.
  Meistens übernimmt heutzutage ein Computer mit MIDI-Schnittstelle und entsprechender Software die Funktion des Sequenzers. Die gängigsten Programme dieses Genres sind „Logic Audio” von Emagic und „Cubase” von Steinberg.

Das Mischpult


  Das Mischpult wird zum Mischen verschiedener Klangquellen und zu deren klanglicher Verbesserung gebraucht. Durch die Lautstärkeregler kann ein „Loop” in einen bereits laufenden Track sanft „eingefadet”, also mit gleichmäßig ansteigender Lautstärke hineingemischt oder herausgenommen werden. Diese Technik wird sowohl bei der Produktion zu Hause als auch bei Live-Acts von DJs verwendet.

Effektgeräte

  Effektgeräte sorgen für eine Veränderung des Sounds.
Die Palette der benutzten Effekte ist groß, sie reicht vom einfachen Hall/Echo (Reverb/Delay) bis zu schwebenden Waaah...Waaah...Waaah- Eindrücken (Chorus/Flanger/Phaser. Als Effektgerät kann aber auch ein normaler Equalizer (= Entzerrer) dienen, der verschiedene Frequenzen des Klanges hervorhebt und andere abschwächt.


Verstärker

  Der Verstärker wandelt nun die ganzen digitalen Klang- und Effektsignale in hörbare Ergebnisse um bzw. verstärkt die ankommenden sie und schickt sie zu einem hoffentlich leistungsstarken Lautprecher, der aus den elektronischen Impulsen letztlich Schallwellen produziert. Lautstärken von 150 dB gerade in den tiefen Frequenzen sind keine Ausnahme, da vor allem die körperlichen Erschütterungen und das totale rhythmische Durchdringen bis „in die letzte Faser des Körpers“ das Erleben von Techno ausmachen.

Aufnahmegeräte


  Mit ihnen kann nun der fertige Sound oder der Track analog (auf Band, z.B. Tonband oder Audio-Cassette) oder digital auf CD, DAT, eine Minidisc oder eine Harddisk (= Festplatte) eines Computers gebannt, d.h. aufgenommen werden.

Wie macht man nun Techno?


  Im Prinzip können die bereits auf Datenspeichern (z.B. CD-ROM) fixierten Samples mit dem richtigen Programm zu Hause auf dem Computer bearbeitet und zu einem kompletten Track (gebräuchlicheres Wort für „Stück” oder „Komposition”) zusammengesetzt werden.
Die Rhythmusmaschine und der Sequenzer sind in solchen Fällen bereits in der Software enthalten. Man bleibt dann allerdings in den Einsatzmöglichkeiten und der Vielfalt von Samples beschränkt, es sei denn, man benutzt eine zusätzliche Sample-Software.
Der zusätzliche Einsatz von externen Samplern, Synthesizern, Mischpulten und Aufnahmegeräten hingegen ermöglicht nahezu unbegrenzte Bearbeitungsmöglichkeiten.
  In einem typischen Produktionssystem erhält das Mischpult eine zentrale, regulierende Funktion. Daran angeschlossen sind zunächst die Klangquellen: Synthesizer, Sampler und externe Tongeneratoren, jeweils durch MIDI mit dem Computer verbunden. Eine MIDI-Sequenzer-Software ist auf dem Computer installiert. Mithilfe des Mischpults kann man die akustischen Signale abmischen und „mastern”, d.h. für die Aufnahme optimieren, und sich die erzielten Ergebnisse über ein Verstärker-Lautsprecher- System anhören. Schließlich kann ein fertiger Track auf dem DAT-Recorder aufgenommen werden.

Quelle & Text: Uni Dortmund - Thankx