meine Jimdo-Page
A pledge Allegiance to the flag,
of the United States of America
and to the Republic
for what it stands
one nation under god
indivisible
within Liberty and Justice for ALL
 
 
Mittwoch, 12. September 2001
Der 11. September 2001
Eine Rekonstruktion der Ereignisse  

Die größte Terrorwelle aller Zeiten begann am Morgen des 11. September, als die New Yorker auf dem Weg zur Arbeit waren (alle Angaben in Ortszeit):
 
07.59 Uhr
Eine Boeing 767 der American Airlines, Flug 11, hebt mit 92 Passagieren in Boston mit Kurs auf Los Angeles ab. An Bord befinden sich mehrere mit Messern bewaffnete Entführer.
 
08.01 Uhr
Flug 93, eine Boeing 757 der United Airlines mit 45 Menschen an Bord startet in Newark in Richtung San Francisco. Auch in dieser Maschine sitzen Selbstmordattentäter.
 
08.14 Uhr
United Airlines Flug 175, eine Boeing 767, hebt mit 65 Menschen von Boston in Richtung Los Angeles ab - ebenfalls mit Terroristen an Bord.
 
08.43 Uhr
Flug 77 der American Airlines startet von Washington nach Los Angeles, eine Boeing 757. Terroristen sitzen unter den Passagieren.
 
08.45 Uhr
Flug 11 der American Airlines rast in einen der beiden Türme des World Trade Centers, des New Yorker Wahrzeichens der Wirtschaftsmacht USA. Augenzeugen glauben zunächst an ein Unglück.
 
09.03 Uhr
United-Flug 175 prallt auf den anderen Turm.
 
09.30 Uhr
US-Präsident George W. Bush spricht in Sarasota (Florida) von einer "nationalen Tragödie". Es handele sich "offensichtlich" um eine terroristische Attacke.
 
09.43 Uhr
American Airlines-Flug 77 rast in das amerikanische Verteidigungsministerium in Arlington bei Washington. Ein Teil des riesigen Gebäudes am Potomac-Fluss wird verwüstet. Das Pentagon, das Weiße Haus, weitere Ministerien und das Kapitol werden evakuiert.
 
09.57 Uhr
Der US-Präsident George W. Bush verlässt Florida mit zunächst unbekanntem Ziel.
 
10.05 Uhr
Einer der Zwillingstürme des World Trade Centers stürzt zusammen.
 
10.28 Uhr
Der zweite Turm stürzt ein.
 
10.29 Uhr
United-Flug 93 stürzt 80 Kilometer südlich von Pittsburgh ab. Passagiere hatten kurz zuvor in Panik den Notruf per Handy alarmiert. Das Flugzeug hatte nach unbestätigten Berichten Kurs auf das Weiße Haus genommen.
 
13.04 Uhr
Bush versichert die Nation in einer zuvor auf einem Stützpunkt der Luftwaffe in Louisiana aufgezeichneten Fernsehansprache, dass alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind.
 
13.27 Uhr
Notstand in Washington wird ausgerufen.
 
13.48 Uhr
Bush verlässt Stützpunkt in Louisiana mit unbekanntem Ziel.
 
14.30 Uhr
Bundesflugbehörde verkündet Einstellung des gesamten Flugverkehrs bis mindestens Mittwochmittag (Ortszeit).
 
16.30 Uhr
Bush hebt von Luftwaffenstützpunkt in Nebraska ab. Er will nach Washington zurückkehren.
 
18.54 Uhr
Bush kommt in Washington an.
 
20.30 Uhr
Bush kündigt in einer landesweiten Fernsehansprache an, die Täter gnadenlos zu verfolgen. (dpa)

Bildergalerie Anschlag auf das World Trade Center
 
Terror gegen USA

Der Sprung aus dem 78. Stock
 
Ein Katastrophenfilm, der nicht enden will. Im Minutentakt jagt eine Horror-Meldung die nächste. Keiner hier kann glauben, was vor seinen Augen geschieht. Die Menschen fassen sich an den Händen, die Luft ist voll mit giftigem Staub. Ein Bericht aus der Nachbarschaft zweier Hochhäuser, die es nicht mehr gibt.
 
Malte Lehming, Philipp Oehmke, Walter Pfaeffle
 
Hier endet die Headtabelle --> Hier beginnt die Texttabelle -->
Fünf Stunden nachdem auch der South Tower des World Trade Centers in sich zusammenkrachte, liegt ein gespenstisches Heulen über dem Himmel von New York City: US-Air-Force-Kampfjets patrouillieren im Luftraum, die Piloten mit der Order, auf alles zu schießen, was sich New York nähert. Kriegsschiffe und Flugzeugträger sind unterwegs, um "die Menschen in New York zu beschützen", wie Militärangehörige versichern. Viele Straßen, hat die Polizei abgesperrt. "Wir sind im Krieg", sagt Senator John Mc Cain.

Es war 10 Uhr 28, als der zweite Turm des World Trade Centers in sich zusammenfiel und der Manhattan Financial District in Staub versank. Bevor der Fernsehsender CNN es überhaupt vermelden konnte, ging ein Kreischen durch die Straßen. Eine halbe Stunde vorher war der erste Turm kollabiert, und seitdem hatte eine Horrormeldung die nächste gejagt.

Die Katastrophe hatte die Leute auf die Dächer ihrer Häuser getrieben, viele waren in Tränen ausgebrochen. "Wer macht sowas?", rufen die Leute in den Himmel, den unfassbaren Massen von Rauch entgegen. Die Menschen wollen einen Schuldigen, ein Ventil für ihre Fassungslosigkeit, eine Kompensation für ihre Ohnmacht. Auf einmal gehören alle zusammen in einer Stadt, die sonst so zersplittert ist - die hispanischen Einwanderer, die Wall Street Broker, die Taxifahrer.

Der Wahnsinn begann kurz vor neun, als ich aus meinem Schlafzimmerfenster auf das World Trade Center blickte. Im selben Moment schrie jemand in meiner Brooklyner Wohnung: "Das World Trade Center brennt!" - eine absurde Aussage, dachte ich, das gibt es nicht. Noch glaubten viele nicht ans Allerschlimmste. Vielleicht bloß ein Kabelbrand. Vielleicht kann man ja löschen. Doch dann kam die Nachricht vom Flugzeug, dann flog ein zweites in den linken Turm. Dass das, was folgte, noch unwahrscheinlicher war - dass die Türme einstürzen und für immer verschwunden sein würden - konnte sich zu dem Zeitpunkt niemand vorstellen.

Und das ist es genau, was so viele Menschen an diesem Morgen in New York in Panik und Verzweiflung treibt: Gerade wenn man denkt, die Kette der Katastrophen sei zu Ende - es kann doch nicht mehr schlimmer werden -, stürzt wieder ein Turm ein, oder es kommen die Nachrichten von den Angriffen in Washington.

Zwei Stunden später halten sich Fremde auf den Straßen bei den Händen, warten voller Angst auf die nächste Schreckensnachricht. "Oh my God", schreit ein Frau, "erst der erste Turm, dann das Pentagon, dann die National Mall, jetzt der zweite Turm. Was kommt als Nächstes?" Ein anderer berichtet, wie er jemanden gesehen hatte, der aus dem World Trade Center sprang, aus dem 78. Stock.

Eine Freundin ruft an. Sie hat eine Panikattacke, ihr Onkel arbeitet im Pentagon. Inzwischen, vor der Kulisse des verschwundenen World Trade Centers, reden Leute von Filmen, die sie gesehen haben, Independence Day zum Beispiel, wo Außerirdische das Weiße Haus in die Luft sprengen. Das war Hollywood, das war lächerlich, aber was die Menschen nun vor ihren Augen, gleich da auf der anderen Seite des East Rivers, sehen, was vor meinem Schlafzimmerfenster passiert, sieht exakt genauso aus: die Zerstörung der Zivilisation, die Demontage eines der Symbole der westlichen Finanzwelt.

Eine Frau lehnt sich aus dem Fenster, schreit auf die Straße, da sei ein zweites Flugzeug im Anflug auf das Pentagon. Von der Straße ruft einer zurück, westlich des Pentagons seien F-16 Kampfflugzeuge gesichtet worden. Schon macht das Gerücht die Runde, insgesamt seien acht Flugzeuge an diesem Tag entführt worden. Was steht also noch bevor, was kommt auf die Menschen noch zu? Die Hubschrauber der Nachrichtensender schwirren in sicherer Entfernung um den Platz, wo einmal das World Trade Center stand - unter misstrauischer Beäugung der Menschen auf der Straße: Jedes Flugobjekt ist verdächtig nun. Wann kracht das nächste gekidnappte Flugzeug in ein Gebäude?

Aus Downtown Manhattan kommen jetzt erschreckende Bilder übers Fernsehen: Dick liegt da der Staub, ein paar Zentimeter hoch, Menschen mit Masken, schreiend, alles ist voll von Asbest, man kann kaum atmen auf den Straßen. Es sieht aus wie nach einem Vulkanausbruch. Ganz Manhattan ist bedeckt mit dicker weißer Asche. Niemand weiß, was sich hinter der Asche und dem Rauch verbirgt. Steht da noch was? Liegen da Tote? Vielleicht jemand, den man kennt? Vor dem NYC Down Town Hospital stehen Krankenwagen, viele Menschen liegen auf Tragen vor dem Eingang. Aber niemand weiß noch etwas Genaues über die Zahl der Todesopfer, der Verletzten. Als in einem überfüllten Café "Fox News" meldet, die Zahl der Toten liege über 10 000, geht ein Jaulen durch den Raum.

Das Telefon funktioniert nicht mehr, man kann keine Freunde anrufen oder Verwandte. Alle Straßen nach Manhattan sind jetzt abgesperrt, keine U-Bahn fährt mehr auf die Insel. In den Supermärkten kaufen die Menschen wie vor Kriegsbeginn. Elektronische Geräte fallen weitgehend aus, Kreditkartenleser funktionieren nicht mehr. Der Polizist an der Straßensperre: "Wir lassen niemanden nach Manhattan. Wir halten weitere Attacken für wahrscheinlich."

Nur wenige Häuserblocks vom World Trade Center steht das Gebäude der New Yorker Börse. Es ist eines der Ersten, das evakuiert wird. In den engen Gassen der Wallstreet ist der Qualm jedoch so dicht, dass Mitarbeiter der Börse, Händler und Reporter zunächst im Kellergeschoss Zuflucht suchen. Etwas später kehren sie aufs Parkett zurück. "Ich hatte mich mit 20 anderen unter einer Treppe aufgehalten", berichtet die Reporterin Maria Bartiromo vom Finanzsender CNBC. "Aber auch dort wurde es unerträglich. Wir konnten das Gebäude einfach nicht verlassen, es wäre lebensgefährlich gewesen. Nach der dritten Explosion sagten wir uns, dass das Parkett der sicherste Ort ist."

Später sind die Straßen voller Menschen, kaum jemanden hält es zuhause, New York ist eine Stadt der Fußgänger geworden. Und ein Thema wird bei den Gesprächen immer lauter, immer dringlicher: Wie wird Präsident Bush auf diese Ungeheuerlichkeit antworten? Wird es Krieg geben? Aber niemand weiß in diesem Augenblick, gegen wen sich dieser Krieg richten soll.

George W. Bush tritt um 9 Uhr 35 mit einer Erklärung vor die Presse. Er war aufs Land gereist, um eine Rede über Erziehung zu halten. Bush fasst sich kurz. Auch er ist spürbar schockiert. Er spricht von einer "nationalen Tragödie" und formuliert, was zu der Zeit bereits jeder ahnt: Es waren offenbar gezielte Anschläge, konzertierte Terrorattacken. "Wir werden die Drahtzieher finden und zur Verantwortung ziehen", sagt Bush. Dann legt er eine Schweigeminute ein und fliegt anschließend nach Washington.

Dort tagt noch am selben Tag der Nationale Sicherheitsrat. Mit dem Direktor des FBI, Muller, Vizepräsident Cheney und dem Gouverneur von New York hatte Bush an diesem Tag als Erstes gesprochen. Als der Präsident in Washington landet, ist es gewiss: Der bislang brutalste Terrorakt in der Geschichte hat einige der Wahrzeichen der Vereinigten Staaten getroffen. Viele Menschen weinen. Ein Politiker im Fernsehen sagt: "Vielleicht ist dies heute der Tag, an dem Amerikas Glück aufgebraucht ist." -------------------- /Text ------------------- -->

No Revenge please! No World War 3. Keine Rache, bitte, keinen Dritten Weltkrieg! Das Transparent ist eilig gemalt worden, jetzt spannt eine Gruppe junger Leute es an der Ecke Unter den Linden / Neustädtische Kirchstraße auf. Weiter hinten in der Kirchstraße liegt die amerikanische Botschaft. Dahin kommt schon seit Stunden keiner mehr. Nur Journalisten und Polizisten dürfen sich der von Gittern abgesperrten Mittelstraße nähern. Die Polizisten legen dort Blumen ab, stellen Kerzen auf, die ihnen Berliner als Zeichen des Beileids am Absperrband vorne Unter den Linden übergeben haben.
Zum Thema


auf das WTC und das Pentagon
Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Reaktionen: Weltweites Entsetzen
Hintergrund: Terrorangriffe auf Ziele der USA

Es ist sieben Uhr abends. Nieselregen sprüht nieder. Die "Mahnwache Brandenburger Tor" hat eine Lichterkette aufgebaut in der Neustädtischen: Grablichter in Plastikbechern. Leon Lennartz, der Initiator, nennt das "die Botschaft der Toten". Er denkt, "die Politbonzen der Welt müssen sich zusammensetzen und Frieden machen. Sonst gibt es noch mehr Tote." Als er erfährt, dass auch Grüne und PDS aufgerufen haben, hier sein Mitgefühl und Entsetzen zu bekunden, ruft er: "Als Menschen können sie kommen. Wenn sich hier einer als Senator hinstellt, wird die Sache abgebrochen!"

Aber zunächst kommen andere. Berliner. Mit Blumen, mit Kerzen. Oder einfach nur so, dann bekommen sie von der Mahnwache eine Kerze und halten sie. Oder geben sie einem Polizisten, dass er sie zur Botschaft bringe. Was soll man sonst tun, außer da sein?

Nadine und drei Freundinnen, Schülerinnen, haben sich nach den ersten Nachrichten zusammentelefoniert und gemeinsam CNN geguckt. Um nicht alleine mit dem Schock fertig werden zu müssen, sagen sie. Sie haben Angst vor dem Krieg. Andere sind einfach nur "entsetzt". "Fassungslos." Können nur sagen: "Das ist doch schrecklich" oder "Wir wollen unsere Anteilnahme zeigen". Harald Wolf, PDS-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, sagt dasselbe: "Betroffenheit und Beileid". Wolfgang Wieland, Justizsenator, Michael Cramer, Verkehrsexperte, Adrienne Göhler, Kultursenatorin und ihre Staatssekretärin Alice Ströver, alles Grüne, zünden Kerzen an und stellen sie zu den anderen. Ein Mann ruft: "Das waren eure Freunde!" Wieland sagt, man müsse jetzt mit dem Schlimmsten rechnen. Diese Ereignisse würden unser aller Leben verändern. Es sei noch ein Glück, dass die Terroristen nicht mit biologischen Kampfstoffen operiert hätten.

Es sind nicht viele, die kommen. Vielleicht dreißig Leute sind da, einige gehen, andere kommen neu. Journalisten sieht man genausoviele. Später entwickeln sich Diskussionen über die Ursachen, die Folgen der Attentate. Man beginnt, sich zu streiten. Um halb neun brechen die meisten zum Berliner Dom auf, zum Trauergottesdienst.

Auf der Straße Unter den Linden fahren die Autos wieder. Am frühen Abend war sie für etwa eine halbe Stunde gesperrt. Bombenalarm. Ein herrenloser Koffer war gemeldet worden, hört man von einem Polizisten. Ein anderer sagt, es sei nur ein Wecker gewesen. "Nur". An solchem Tag schmecken die Worte bitter. Langsam brennen die Kerzen nieder.
 
 
In tiefer Erinnerung
an alle Menschen
die ihr Leben
verloren
haben
 
DENKT AN DIE OPFER
und
VERWANDTEN